G.A.M.E.: „Investition des Bundes muss sich für Deutschland lohnen“

0

GamesIndustry.biz: Dass die Spiele-Industrie in der Koalitionserklärung nicht nur erwähnt, sondern als kulturell und wirtschaftlich für die Bundesrepublik wichtig erklärt wurde, wäre vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Damit ist das Thema Spiele aber vermutlich noch nicht „durch“ – was wollen Sie gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Fördermaßnahmen, die in UK ergriffen wurden, konkret in der nächsten Zukunft auf politischer Ebene erreichen?

Thorsten Unger:Wichtig ist erst einmal festzustellen, dass die Entscheidung für die Engländer ein großartiger Erfolg ist. Wir als G.A.M.E. sind über den EGDF sehr entscheidend in den Prozess einbezogen worden und haben sicher unseren Anteil daran. Man muss aber auch wissen, dass es fahrlässig wäre, nach einer Kopie dieser Lösung auch für die deutschen Entwickler von Computerspielen zu rufen.

„Weder Förderlogik noch Steuersystem sind adaptierbar“

Thorsten Unger über britische Spielesubventionen

Dass dies andere tun, nehmen wir zur Kenntnis. Dies ist aber bei weitem zu kurz gedacht, da weder Steuersystem noch Förderlogik adaptierbar sind. Wir sind bereits seit längerem dabei, uns intensiv mit sinnvollen und für die Gesamtvolkswirtschaft nachhaltigen Förderinstrumenten zu beschäftigen. Dazu haben wir einen Arbeitskreis auf den Weg gebracht, der sehr prominent besetzt ist. Schon in naher Zukunft werden wir hier Ergebnisse liefern können. In Bezug auf die kulturelle Anerkennung lässt sich feststellen, dass der G.A.M.E. als einziger Verband der Gamesbranche Mitglied im deutschen Kulturrat ist. Ich selbst bin dort Sprecher für Kultur und audiovisuelle Medien.

Der kulturelle Wert darf jedoch durch den Wechsel des Computerspielepreises in das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur nicht in Frage gestellt werden. Wir fallen nun in die direkte Zuständigkeit der parlamentarischen Staatssekretärin Dorothee Bär, die nicht nur Mitinitiator des Deutschen Computerspielepreises ist, sondern auch die Bundestags-LAN sowie die bayrische Gamesförderung positiv begleitet hat. Sie war auch an der Ausgestaltung des Koalitionsvertrages federführend beteiligt. Daneben betreut das Ministerium die „Digitale Agenda“, welches als eines der Handlungsfelder „Digitale Gesellschaft, Forschung, Bildung und“ – eben „Kultur“ beschreibt. Hier fordern wir unsere aktive Rolle ein und sind auch im Dialog mit Wirtschaftsministerium und der Bundesbeauftragen für Kultur und Medien, Monika Grütters.

GamesIndustry.biz: Lobbying auf politischer Ebene ist für die meisten so etwas wie ein mystischer Wald. Erklären Sie doch einmal, wo Sie die Hebel und Ansprechpartner verorten, bei denen man insbesondere beim Thema Wirtschaftsförderung ansetzen muss. Gibt es immer noch die Hardcore-Gegner, die hinter jedem bunten Bildschirm ein Killerspiel vermuten oder hat sich die Diskussion Ihrer Ansicht nach versachlicht?

Thorsten Unger:Im Kern geht es der Politik wie auch uns darum, und das meine ich nicht naiv, sondern sachlich und realistisch, im Rahmen der gesetzten Möglichkeiten ein für die Gesellschaft bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Dieses Ziel sieht je nach Parteibuch natürlich unterschiedlich aus.

„Zunächst muss man feststellen, wie hoch der Effekt für Deutschland ist, bevor man hier ein Forderungspaket formuliert.“

Thorsten Unger über deutsche Subventionsforderungen

Im Sinne der Knappheit von Ressourcen bewerben sich diverse Interessenvertretungen um eine aus der jeweiligen Sicht vielleicht auch nachvollziehbare bestmögliche Perspektive. Lobbying wird oft negativ assoziiert, ich sehe darin aber eine beratende, mitgestaltende Rolle, um möglichst gute und politisch konsensfähige gemeinsame Ergebnisse zu erzielen. Wirtschaftsförderung meint im Gegensatz zur Kulturförderung auch, dass sich die Nettoinvestition des Bundes oder der Länder perspektivisch direkt wie indirekt für unser Land lohnen müssen.

Es ist also entscheidend, überhaupt einmal festzustellen, wie hoch dieser Effekt für Deutschland sein würde, bevor man hier ein konkretes Forderungspaket und ganzheitliches Förderkonzept formulieren kann. Daher beschäftigen wir uns um eine möglichst objektive, auch kritischen Prüfungen standhaltende Betrachtung. Etwa über konkrete Arbeitsplätze, Investitions- und Innovationskraft. Entscheidend ist hier weniger die Höhe potentieller Konsumentenausgaben, interessanter ist der Umsatz steuerrechtlich deutscher Unternehmen und dessen Exportquote, um nur ein Beispiel zu nennen.

GamesIndustry.biz: Sowohl mit der International Games Week Berlin als auch mit der gamescom in Köln finden nicht nur relevante Publikumsveranstaltungen statt, sondern insbesondere in Köln auch der branchenweit größte B2B-Bereich. Welche Auswirkungen erwarten Sie für Deutschland als Handels- bzw. Orderplatz?

Thorsten Unger:Für die gamescom 2014 lässt sich zumindest schon mal hoffnungsfroh nach vorne schauen. Die Bedeutung der Messe ist nach dem vorjährigen Erfolg sicher international noch weiter angestiegen. Von entscheidender Bedeutung für die Messe wird sicher sein, wie man die Digitalisierung der Vertriebskanäle, also die Einbindung der Online-Player wie die deutschen F2P-Unternehmen oder Branchenschwergewichte wie King als Messevent bewerkstelligen kann. Das Retailgeschäft ist ja auch für Größen wie Electronic Arts oder auch Ubisoft von stetig steigender Bedeutung. Die International Games Week ist ja die Nachfolgerin der Deutschen Gamestage. Die Internationalisierung ist sicher ein guter und notwendiger Schritt. Wir würden uns sehr freuen, wenn es gelingt, die Veranstaltung weiterzuentwickeln. Insbesondere für diejenigen, die nicht zur GDC nach San Francisco fahren, könnten auf europäischem Boden eine gute Anlaufstelle in der ersten Jahreshälfte finden. Wir können dies nur unterstützen.

GamesIndustry.biz: Vielen Dank für das Gespräch!