Jessica Curry von Chinese Room Studios rechnet mit der Games-Branche ab

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Die Co-Director von Chinese Room, dem Studio hinter Everybody’s Gone to the Rapture, hat sich dazu entschlossen, aus der Games-Branche auszusteigen – zumindest größtenteils. Jessica Curry von Chinese Room möchte zwar Company Director bleiben, will sich sonst aber nur noch auf ihre Karriere als Komponistin konzentrieren.

Curry nannte drei Hauptgründe für ihre Entscheidung. Zunächst setze ihr eine degenerative Erkrankung zu. In der Endphase der Entwicklung von Everybody’s Gone to the Rapture wurde ihr klar, dass sie ihre Prioritäten neu setzen müsse. Hinzu kamen Probleme bei der Zusammenarbeit mit Sony Computer Entertainment America, im Zuge des Produktionsprozesses.

„Die Zusammenarbeit mit einem Publisher hat mich sehr unglücklich und krank gemacht,“ so Curry. „Am Ende habe ich mich selbst nicht mehr erkannt – ich hatte mich von einer fröhlichen, Spaß liebenden, kreativen, albernen und lustigen, zu einer ungeduldigen, paranoiden und unglücklichen Person gewandelt. Viel von dem Stress, den ich durchlebt hatte, wurde, so sehe ich es, von der vergifteten Beziehung verursacht, in der ich mich befand.“

Curry wird nicht spezifischer, spielte aber auf Spannungen zwischen den künstlerischen Vorstellungen der Entwickler und Sonys Interessen an Profit an.

„Ich möchte mich mit offenen und ehrlichen Menschen umgeben, denen ich vertrauen kann,“ so Curry weiter. „Ich habe von so vielen Leuten gehört, ,So sind Publisher eben‘ und ,so ist halt die Spielebranche‘. Ich würde sagen, dass wir das alles akzeptieren, jedoch Angst haben, dieses Verhalten in Frage zu stellen und so wird sich nichts verändern. Dann verdienen wir auch nichts anderes, als die mageren Krümel, die man uns hinwirft.“

Schließlich bezog Curry ihren Abschied auch mit dem Sexismus gegen Frauen in der Branche. Ihr Ehemann und Co-Director des Studios, Dan Pinchbeck, kam aus ihrer Sicht stets besser weg.

„Auf der persönlichen Ebene schaue ich auf meine Verdienste, für die Spiele, die wir gemacht haben und musste immer wieder sehen, dass Dan ständig die Lorbeeren dafür erntete. Journalisten nahmen an, dass ich Dans Persönliche Assistentin sei, schrieben von mir als ,Dan Pinchbecks Frau‘ in ihren Artikeln. Publisher nahmen in ersten Meetings stets an, dass Dan mein Chef sei, nur weil er ein Mann ist. Ein Magazin nannte nur Dan als Studioleiter, ohne mich zu erwähnen. Als Dan sagte ,Jess ist das Hirn des Betriebs‘, kicherten die Leute und glucksten, es sei nett von einem Ehemann, so aufmerksam zu seiner Frau zu sein. Ich habe nicht genug Papier, um alle Entwürdigungen aufzuschreiben, die ich erfahren habe.“

Currys erstes neue Arbeit, nach ihrem Abschied aus der Games-Branche, wird ein „großes Musikprojekt“, welches sie mit der Literaturpreisträgerin Carol Ann Duffy umsetzen will.