Analyse: Candy Crush-Erfinder King für 5,9 Milliarden US-Dollar an Activision verkauft

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Activision Blizzard gibt bekannt, dass man King Digital Entertainment, das Unternehmen hinter Candy Crush, für 5,9 Milliarden US-Dollar (5,35 Mrd. Euro)  gekauft hat.

Mit dem Mega-Deal wird Activision Blizzard auf einen Schlag eines der größten Unternehmen für Mobile Games und soziale Spiele. King ist aktuell der wichtigste Spiele-Entwickler für Facebook.

Verglichen mit Käufen aus der Vergangenheit der Entertainmentbranche, ist die Übernahme von King ein Ausrufezeichen. Das Unternehmen kostet damit deutlich mehr als Marvel Entertainment oder Lucasfilm, welche beide von Disney für jeweils knapp 4 Milliarden US-Dollar gekauft wurden.

Der Preis scheint auf den ersten Blick nicht gerechtfertigt, liegt er doch ganze 20 Prozent über dem aktuellen Börsenwert des Unternehmens. Zwar beträgt die Summe immer noch weniger, als der Wert von King bei dessen Börsengang im Jahre 2014, doch man sollte den hohen Preis eher als eine Wette in die Zukunft sehen.

Das Geschäft mit Mobile Games ist Kings Stärke und auch, wenn der größte Titel des Unternehmens, Candy Crush Saga, seinen Zenit scheinbar langsam überschritten hat, spekuliert man wohl darauf, dass man neue Impulse geben kann. Aktuell wachsen die restlichen Titel des Unternehmens jedoch nicht schnell genug, um die Umsatzrückgänge des immer schlechter performenden Candy Crush Saga wettzumachen.

Dennoch sind die Zahlen stark: King vereint monatlich 7,6 Millionen zahlende Nutzer. Das ist mehr als bei World of Warcraft, der aktuellen Cash Cow von Activision Blizzard. Beim Durchschnittsumsatz pro User liegt King mit 23,25 US-Dollar pro Monat auch weit vor World of Warcraft. Kings Umsatz im letzten Quartal betrug 529 Millionen US-Dollar, 81 Prozent daraus aus Mobile Games. Eine verlockende Zahl für Activision, welches aktuell nur 10 Prozent seiner Umsätze aus diesem Bereich zieht.

Gleichzeitig diversifiziert das Unternehmen seine Produktpalette weiter – ein Schritt, den Investoren und Analysten seit langem fordern, da man bisher fast die Hälfte seine Umsätze aus dem Konsolenbereich bezog.

Auf der anderen Seite muss man jedoch beachten, dass King hauptsächlich durch seine starken IPs für diesen enormen Preis gekauft wurde. Man verfügt über talentiertes Personal und hat bewiesen, dass man auf dem hart umkämpften Markt der Social und Mobile Games bestehen und triumphieren kann, doch Activision ist primär an Kings Marken interessiert. Sie sind das wichtigste  Kapital der Firma. Doch aufgrund des abnehmenden Erfolgs von Candy Crush und den finanziell deutlich schwächeren Titeln aus dem Restportfolio, lässt sich erahnen, dass die 5,9 Milliarden Dollar nicht nur ein wenig zu viel sein, sondern sich womöglich in Zukunft als große Fehlinvestition herausstellen könnten. Bricht der Erfolg von Candy Crush weg und schafft es King nicht, sich mit neuen Marken erfolgreich am Markt zu positionieren, ist der Deal nur noch schwer zu rechtfertigen.

Nehmen wir noch einmal die Bezugspunkte Marvel und Lucasfilm, für die Disney fast zwei Milliarden Dollar weniger gezahlt hat, als Activision für King. Sie verfügen jeweils über Marken, die sich über Jahrzehnte bewährt haben und kontinuierlich Geld in die Kassen spülen. King hingegen ging erst letztes Jahr an die Börse und ist einen Beweis seiner Nachhaltigkeit noch schuldig. Anders als beispielsweise Rovios Angry Birds lässt sich Candy Crush auch weit weniger gut in anderen Entertainment-Bereichen vermarkten. Von Angry Birds gibt es inzwischen Merchandising zuhauf und selbst ein vielversprechender Kinofilm ist in Arbeit und steht kurz vor der Veröffentlichung. Mit Candy Crush scheint so etwas schwer vorstellbar.

Ein Aspekt, der für den Kauf von King spricht, ist die Nutzung von möglichen Synergie-Effekten zwischen den beiden Unternehmen. Disney hat das auf beeindruckende Weise mit Pixar getan. Tatsächlich könnte gerade die Skylanders-Serie eine gute Figur auf mobilen Geräten machen. Angesichts der schier endlosen Liste von Skylanders wären sogar enorm viele gute Figuren möglich. Auch Blizzards Marken könnten auf mobilen Endgeräten Sinn machen und wirtschaftlich vom Kauf profitieren, wenn sie in naher Zukunft auf diesem Sektor expandieren.

Ob ein Call of Duty den (erfolgreichen) Weg auf Smartphones und Tablets schafft, bleibt hingegen zu bezweifeln und wird wahrscheinlich auch nicht der primäre Gedanke hinter dem Geschäft gewesen sein. Zu sehr sind die Core-Gamer den Konsolen und dem PC verbunden, zu klein ist der Markt für derartige Spiele aktuell, als das dies die treibende Kraft hinter dem Kauf gewesen sein dürfte.

Es bleibt aktuell noch größtenteils im Unklaren, was Activision Blizzard dazu getrieben hat, so viel Geld auf den Tisch zu legen. Disney hatte mit Marvel und Star Wars nicht nur eine andere Ausgangsposition, sondern vor allem auch einen genauen Plan, wie man mit den Marken in den nächsten Jahren umgehen wollte.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel „Activision and King: Wrong price, poor fit, von Rob Fahey und ist im Original erschienen bei gamesindustry.biz