Microsoft schadet sich selbst, indem es Xbox-Kennzahlen verschweigt

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Als Don Mattrick das Unternehmen nach der schwachen Xbox One-Enthüllung auf der E3 2013 verließ, veränderte sich die Art, wie Microsoft mit der Außenwelt kommunizierte. Die Games-fremde Xbox-Politik der ersten Wochen nach der One-Vorstellung wich schnell einer groß angelegten Schadensbegrenzungskampagne. Nachdem Sony in geradezu kaltblütiger Weise die Schwäche der Redmonder ausgenutzt hatte und die PS4 als Gaming-Maschine par excellence positionierte, übernahm Phil Spencer das Ruder und schaffte es, Xbox-Fans auf der ganzen Welt wieder mit Microsoft zu versöhnen, indem er sich auf die Kernkompetenz der Xbox konzentrierte: die Spiele.

Nichtsdestotrotz ist der Rückstand gegenüber Sony überdeutlich und kaum mehr aufzuholen. Da nützt es im direkten Vergleich auch wenig, dass die Xbox One ihre Vorgängerkonsole deutlich übertrumpft. Zumindest scheint man bei Microsoft so zu denken. Verlässliche und genaue Zahlen nennt das Unternehmen nämlich nicht. Man hüllt sich in beschämtes Schweigen – ganz im Gegenteil zu Sony, welches selbstbewusst jeden neuen Rekord, den die PS4 bricht, minutiös und öffentlichkeitswirksam festhält.

Microsoft scheint sich geradezu zu verstecken, wenn es um die Verkaufszahlen seines aktuellen Flaggschiffs geht. Die letzte offizielle Zahl lag bei 10 Millionen verkaufter Konsolen – das war knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung des Geräts. Danach wurden in den Berichten die Verkaufszahlen der Xbox 360 mit denen der Xbox One gebündelt und inzwischen verwendet Microsoft komplett andere Kennzahlen zur Erfolgsmessung. Seit kurzem setzt man nämlich bei Erfolgsmeldungen auf Statistiken von Xbox Live.

Letzte Woche machte ein Bericht die Runde, der besagte, dass die installierte Hardwarebasis der Xbox One bei knapp 18 Millionen Systemen liege. In der aktuellen Episode von Windows Weekly (ungefähr bei Minute neun) erörtert Journalistin Mary Jo Foley Microsofts kürzlich getätigte Aussage, dass momentan etwa 200 Millionen aktive Geräte mit Windows 10 laufen. Im Rahmen dessen nimmt sie auf eine externe, nicht verifizierbare Quelle Bezug und führt aus, dass mutmaßlich 18 Millionen dieser Geräte Xbox One-Konsolen sind.

Dieses Gerücht streute aus, denn Microsoft hat seit über einem Jahr keine Silbe zu den genauen Verkaufszahlen der Konsole verloren. Viele Beobachter gehen davon aus, dass diese Zahl realistisch ist. Geht man einmal davon aus, dass dies zutrifft, dann liegt die installierte Basis der Microsoft-Konsole etwa 50 Prozent unter der verkauften Menge der PS4. Eine klare Niederlage für Microsoft, doch verglichen mit der Xbox 360 ist man auf einem sehr guten Weg. Diese benötigte ganze vier Monate mehr (Xbox One 26 Monate, Xbox 360 30 Monate), um weltweit 19 Millionen Mal über den Ladentisch zu gehen.

Damit überflügelt man bereits jetzt seine bislang erfolgreichste Konsole. Microsoft sollte mit diesen Zahlen selbstbewusster umgehen. Es ist bereits ein offenes Geheimnis, dass Sonys PS4 Microsofts Konsole in dieser Generation zum Frühstück verspeist hat und scheinbar nach Belieben den Markt dominiert. Doch an diesem Punkt macht es keinen Sinn mehr, mit Zahlen hinter dem Berg zu halten. Denn indem man den Kopf einzieht, setzt man den Kritikern nichts mehr entgegen, das die Zahlen der Xbox One in Relation setzen könnte. Man hat Fehler begangen und dennoch im Vergleichszeitraum mehr Konsolen verkauft, als mit der Xbox 360. Es ist an der Zeit dies auch selbstbewusst zu kommunizieren.

Die Schlacht mit Sony ist in dieser Generation wohl verloren, doch der „Krieg“ geht weiter und es macht in keinster Weise Sinn, nun die weiße Flagge zu schwenken. Man sollte offensiv harte Zahlen nennen und aufzeigen, dass man in der Lage ist, auf seinen eigenen Erfolgen aufzubauen. Die Xbox One legt aktuell für sich genommen eine sehr gute Performance hin und Microsoft sollte seine Kunden wissen lassen, dass es dies auch positiv sieht und in der Lage ist, hier noch eine Schippe draufzulegen. Und obwohl Sätze wie „bestes Jahr in der Geschichte der Xbox“ im Jahr 2015 öfters in den Mund genommen wurden als bisher, sind die überzeugendsten Argumente immer noch Fakten und belastbare Zahlen. Die Anhänger und Beobachter wollen kein blumiges PR-Geschwafel, sondern die Wahrheit. Und die sieht beileibe nicht so schlecht aus, wie sie womöglich in den Chefetagen der Xbox-Division wahrgenommen wird.

Der originale Artikel von Brendan Sinclair erschien in englischer Sprache auf gamesindustry.biz und durfte mit freundlicher Genehmigung für Gamesbusiness angepasst werden.