Machen „Killerspiele“ aggressiv? ZDF mit großer Doku-Reihe

1

Ego-Shooter oder First-Person-Shooter, in den Medien gerne auch „Killerspiele“ genannt, hatten in der öffentlichen Wahrnehmung lange einen schweren Stand. Das ZDF widmet sich nun dem Thema „Killerspiele“ in einer gleichnamigen Dokumentationsreihe und beleuchtet die Geschichte und Faszination dieses Genres, aber auch die Kontroversen, die immer wieder um die „Killerspiele“ entstanden.

 

Welchen Ansatz verfolgt die Dokumentationsreihe?

Der Pressetext des Senders fasst es treffend zusammen:„Kaum ein Wort in der deutschen Gaming-Landschaft ist ähnlich stark aufgeladen, kaum eine Debatte wurde so emotional geführt. Wer heute das Wort Killerspiele hört, denkt an Counter Strike, an Doom, mit großer Wahrscheinlichkeit aber auch an: Erfurt, Winnenden – den Tatorten von Schul-Amokläufen, die Anfang der Nullerjahre Deutschland erschütterten.“ Dass diese Assoziationen bei vielen Menschen auch heute noch geweckt werden, daran hat auch der von vielen Medien oft zweifelhaft geführte Diskurs einen nicht unerheblichen Anteil.

So heißt es weiter: „Schnell waren die Schuldigen damals gefunden: sogenannte First-Person-Shooter, im Boulevard-Duktus hießen sie fortan Killerspiele.“ Doch nicht nur im Boulevard machte man sich die Wortschöpfung zunutze. Auch seriöse Formate, wie Frontal 21 oder Panorama, verfehlten mehr als ein Mal die Zielsetzung objektiver Berichterstattung.

Die neue, dreiteilige Doku-Reihe, die auf ZDFinfo laufen wird, erhebt jedoch einen anderen Anspruch. So wird die Entstehung der First-Person-Shooter nachgezeichnet und mit zahlreichen Experten-Aussagen von Interviewpartnern aus der Branche unterfüttert.

 

Ursachenforschung

Wie aus dem Pressetext zur Dokumentation zu entnehmen ist, wird dabei auch der Frage nachgegangen, wie es zu den beliebten Gewaltdarstellungen in Videospielen kam und wie bereits in der Frühzeit der Branche eine hitzige Diskussion über selbige geführt wurde.

„Schon Mitte der 70er Jahre erschien mit Death Race das erste Spiel, das eine Gewalt-Diskussion provozierte – auch wenn man damals nur pixelige Autos auf pixelige Strichmännchen zusteuern musste.“ Der „erste Teil der Doku-Reihe erzählt, wie die Gewalt in die Computerspiele kam – von den Anfängen an Daddel-Automaten in den USA bis hin zur Entwicklung von Doom, der Mutter aller Killerspiele.“

 

Hochkarätige Interviewpartner

Für den 45-minütigen Film hat Autor Christian Schiffer unter anderem Doom-Mitschöpfer John Romero in seiner Wahlheimat in Irland besucht und über seine Pionier-Rolle im Genre der First Person-Shooter gesprochen. Darüber hinaus besuchte Schiffer das Deutsche Computerspiel-Museum in Berlin und das Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, wo er sich Exponate aus 40 Jahren Gaming-Geschichte zeigen ließ und Szene-Größen wie den ehemaligen „Powerplay“-Redakteur Boris Schneider-Johne und „Gamestar“-Chefredakteur Gunnar Lott getroffen.

Weitere hochkarätige Gesprächspartner, die in der Doku-Reihe zu Wort kommen beinhalten Hans Ippisch, Geschäftsführer der Computec Media GmbH und Schöpfer des frühen Shooters Soldier!, Andreas Lange, Direktor des Deutschen Computerspiel-Museums, Elke Monssen-Engberding, Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und Stephan Schwingeler, Kunsthistoriker am ZKM.

Den Auftakt zur Doku-Reihe macht der Film „Killerspiele! Der Streit beginnt“ am 6. Februar 2016, 23.15 Uhr in ZDFinfo. Zur Einstimmung auf die Dokumentation zeigt ZDFinfo vorgeschaltet die Filme „Väter der Pixel-Monster“ (Samstag, 6. Februar 2016, 21.00 Uhr) und „Atari: Game Over“ (Samstag, 6. Februar 2016, 22.30 Uhr).

Der Film „Väter der Pixel-Monster – Englands Computerspiel-Pioniere“ erzählt die beeindruckende Geschichte der britischen Videospielindustrie zwischen 1979 und 1996. Der Film zeigt, wie die Kreativität und Vision weniger Einzelner es Großbritannien ermöglichte, eine Pionierrolle zu spielen und den Weg zur heutigen, Milliarden Dollar schweren Videospielindustrie zu ebnen.

Die Dokumentation „Atari: Game Over“ geht dem „größten Geheimnis der Spiele-Industrie“ nach. 1983 soll Atari unzählige Exemplare des gefloppten Spiels E.T. – Der Außerirdische in einer Mülldeponie in New Mexico vergraben haben. Microsoft machte sich auf die Suche und fand sie. Die dabei entstandene Doku zeichnet nicht nur die Suche nach den Spielen nach, sondern blickt auch auf die erste goldene Ära der Videospiele und ihren spektakulären Zusammenbruch zurück. Denn der Flop wird als einer der Gründe für den Untergang von Atari gesehen.

1 KOMMENTAR

Comments are closed.